Ein teurer Spaß

Diese Dienstreise nach Essen, war eine Reise, die für immer unvergesslich bleibt. Es fing schon damit an, dass diese Reise, wegen eines Anlagenstillstands, zwischen Weihnachten und Neujahr 2010 stattfinden sollte. Der Kunde drängte darauf, dass während dieses Stillstandes auch Arbeiten am PLS80E Prozessleitsystem durchgeführt werden sollten, um mögliche Risiken auszuschließen. Vorgesehen waren zwei Übernachtungen. Schon bei der Hotelbuchung stellten wir dann fest, dass „zwischen den Jahren“ eine besondere Zeit ist. Die paar Hotels, die wir in Essen kannten, waren nämlich geschlossen. Aber, das erste Haus am Platz war aber geöffnet und „rücksichtslos, ohne auf den Preis zu achten, buchten wir dort unsere Zimmer“ Wie sagte Markus so schön: „Wenn die anderen gemütlich zuhause sitzen und Schweinsbraten essen, wird uns doch wohl ein gutes Hotel erlaubt sein“. Unser damaliger Chef hatte keine Einwände.Und dann kam plötzlich der Winter, mit ungewöhnlich viel Schnee, und die Reise nach Essen stand auf der Kippe. Aber bis zum finalen Reiseantritt, ließ der Schneefall nach und wir packten alles, was wir für nötig hielten in ein Auto und machten uns auf den Weg.

In Essen angekommen, fuhren wir zum Kunden, und begannen mit den ersten Arbeiten, und bis zum frühen Abend hatten wir bereits einen Großteil davon erledigt, und mit Zustimmung des Kunden verschoben wir den Rest, wie geplant, auf den nächsten Tag. Ich weiß heute nicht mehr genau um welche Arbeiten es dabei ging, aber für einige war Mitarbeit durch den Kunden notwendig. Wir erledigten also erst den reinen Service Part, um dann mit dem Kunden gemeinsam weitere Arbeiten zu erledigen. Als wir mit ihm zusammentrafen, teilte er uns mit, dass er mit starken Rückenschmerzen kämpft, und zu dem Schluss gekommen ist, die Arbeiten abzubrechen und auf später im neuen Jahr zu verschieben. Inzwischen war es irgendwas zwischen 12:00 und 15:00 Uhr.

Wir packten also unsere Sachen ein und fuhren ins Hotel. „Und was machen wir mit dem angefangenen Tag?“ fragten wir uns kurz um uns dann auf den Weg in die Essener Innenstadt zu machen. Dort waren noch ein paar Stände vom Weihnachtsmarkt übriggeblieben. Unter anderem auch Glühweinstand, der Glühwein mit und ohne Schuss, anbot. Und damit begann das Unheil. „Sollen wir das alles mal durchprobieren?“ hat einer von uns, eher hypothetisch gefragt – und gesagt getan, nacheinander probierten wir so alles durch was es gab, was nicht ganz ohne Folgen blieb. Zwischenzeitlich gesellte sich ein Verkäufer von Obdachlosen Zeitungen zu uns, der eine Einladung zwar ablehnte, mit dem es aber zu einer interessanten Unterhaltung, über Gott und die Welt kam, an dessen Schluss wir ihm, auch eine Zeitung abkauften, die wir großzügig bezahlt haben. Es war schließlich kurz nach Weihnachten und wir gut drauf. Als es langsam dunkel wurde, meldete sich auch der Hunger. Viele Restaurants, die wir kannten, hatten geschlossen, also machten wir uns auf die Suche.

Und hier beginnt so langsam der Filmriss. Wir fanden ein offenes, türkisches Restaurant, in dem wir toll gegessen, und auch noch ein paar Bier getrunken haben. Als es nach dem Essen ans Bezahlen ging, hatte Markus wie so oft, mal wieder kein Geld dabei. Sein Spruch war immer „Ich habe von zuhause kein Taschengeld mitbekommen“. Ich bezahlte dann mit meiner Kreditkarte und so gegen 1:00 Uhr nachts verließen wir das Lokal. Das der Kellner hier sehr professionell war, wurde für uns erst am nächsten Tag ersichtlich. Es war uns wohl aunübersehbar, dass wir nicht mehr ganz nüchtern waren, und uns am nächsten Tag, möglicherweise nicht mehr genau erinnern. Deshalb fragte er wohl Markus nach seiner Visitenkarte. Denn am nächsten Morgen fand ich seine Visitenkarte, mit angehefteter, bezahlter Rechnung, in meiner Tasche.

Ich kann mir genau vorstellen was im Kopf des Kellners vor sich ging „Wenn die morgen früh nüchtern sind, können die sich an die Bezahlung sicher nicht mehr erinnern. Und wenn einer für den anderen mitbezahlt, sollte er das auch beweisen können, sonst gibt es noch Streit". Aber vor dem nächsten Morgen kam erst einmal der Fußweg ins Hotel, der an fast noch unberührten Schneeflächen vorbeiführte. Da wir echt gut drauf waren, nutzen wir eine dieser Flächen um Schneeengel zu machen, und waren stolz auf das Ergebnis. Möglicherweise haben wir dabei auch Weihnachtslieder gesungen? Es waren ja nicht mehr viele Menschen unterwegs, aber die die uns dabei zugeschaut haben, fanden unser Verhalten scheinbar sehr amüsant.

Angekommen im Hotel gab es dann die nächsten Probleme. Zum einen merkte ich plötzlich, dass alles um mich herum irgendwie unscharf wirkte. Das lag in diesem Fall aber nicht am Alkohol, sondern daran das ich scheinbar meine Bille irgendwo im Schnee verloren hatte. Zum anderen fand Markus seine Schlüsselkarte nicht. Warum er daraufhin, nachts gegen 1:30, seine Frau zu Hause anrief und fragte, ob sie weiß, wo die ist, war mir, obwohl selbst nicht ganz nüchtern, ein Rätsel. Gut angekommen ist das bei seiner Frau nicht, hatte aber, auch später keine Folgen.

Der Mann an der Rezeption, gab ihm einfach eine neue, und endlich konnten wir ins Bett. Am nächsten Morgen beim Frühstück, versuchten wir gemeinsam, den letzten Abend zu rekonstruieren. Dabei konnte ich mich dann erinnern, dass ich beim Bezahlen, die Rechnung klar und deutlich lesen konnte. Das bedeutete, das ich meine Brille entweder im Restaurant, oder auf dem Weg von dort ins Hotel verloren hatte. Wir haben zuerst im Restaurant nachgefragt. Dort konnte sich niemand an uns erinnern, weil das Personal des letzten Abends auch erst wieder am Abend Dienst hat. Der freundliche Mitarbeiter suchte alle Stellen ab, an denen normalerweise Fundsachen aufbewahrt werden, aber ohne Erfolg. So wie schon die Suche auf dem Weg vom Hotel zum Restaurant erfolglos war, war es auch die Suche auf dem Rückweg.

Nachdem ich zu Hause war, musste ich für kurze Zeit meine Vorgänger Brille tragen, die leider nicht mehr 100%ig passte, und die Neue die ich mir dann kaufte kostete etwa 800EUR

Fazit dieser Dienstreise: Das war ein teurer Spaß, aber unvergesslich