Wie Teamgeist NICHT funktioniert

An vielen Stellen betone ich immer wieder den Teamgeist zwischen Markus und mir. Das liegt ganz einfach daran, das wir ein ganz spezielles, positives Verhältnis zueinander hatten. Grundsätzlich würde ich den Teamgeist, zu meiner Zeit bei ESR, als gut bezeichnen. Das es, zumindest aus meiner Sicht, einige Defizite gab, möchte ich aber nicht verschweigen. Aber welches Verhältnis Menschen in einer Firma zueinander haben, basiert immer auf deren Persönlichkeit. Deshalb möchte ich nochmal betonen, dass es hier um meine persönlichen Gefühle und Ansichten geht, die aber in vielen Aspekten, mit denen von Markus übereinstimmten.

Da gab es den Kollegen aus der Reparaturabteilung, ebenfalls Gründungsmitarbeiter, zu dem wir als Service ein fast ebenso gutes Verhältnis hatten, wie untereinander. Den haben wir immer gerne mitgenommen wenn umfangreichen Hardwareupdates im Zuge von Umbauten und Software Updates nötig waren. Dann gab es noch den Kollegen, den ich seit meinem ersten Tag bei der alten Eckard AG kenne. Mit ihm war ich, besonders vor der Gründung von ESR, auch oft bei Kunden unterwegs, und die Zusammenarbeit mit ihm war grundsätzlich, mit kleinen Aussetzern, toll. Aber besonders im Büro, besonders später bei ESR, lief nicht immer reibungslos. Er war im Gegensatz zu seinem Verhalten auf der Baustelle, im Büro manchmal nicht wieder zu erkennen. Aber grundsätzlich sind wir immer gut miteinander ausgekommen, aber wir hatten auch die eine oder andere sehr heftige Diskussion. Aber wir verbrachten auch im Zuge von Dienstreisen, gemütliche Abende beim Griechen.

Aber das ist garnichts im Vergleich zu einem anderen Kollegen. Mit dem hatte ich, auf Grund seiner Art, immer wieder mal kleinere Probleme, habe aber immer versucht, dass das keinen Einfluss auf unsere berufliche Zusammenarbeit hat. Weil ja jeder so seine Eigenheiten hat, was andere sicher auch von mir behaupten. Ich hätte ihm überhaupt keine eigene Geschichte gewidmet, hätte es nicht dieses einmalige, sehr spezielle, Ereignis gegeben. An das er sich, als ich ihn Jahre später darauf ansprach nicht erinnern konnte. Leider konnte ich die entsprechende Email, die im folgenden erwähnt wird, nicht mehr finden. Mir wird er auf Grund dieser Geschichte, ewig in Erinnerung bleiben, aber sicher nicht positive wie die anderen Kollegen.

Was hat er getan, das Markus und ich so wütend waren?

Es begann mit einer Email, die wir von unserem damaligen Chef, Klaus Schneller erhielten, weitergeleitet von eben diesem Kollegen, der auf Geschäftsreise war. Der Wortlaut war in etwa folgender:

"Hallo Klaus, ich habe einen Anruf von Herrn XY, bekommen, der hat ein Problem mit seiner InFusion Monitordarstellung. Kannst du dem Service Bescheid, sagen das die sich darum kümmern sollen?"

Hallo?? Warum keine direkte Email an uns, den Service? Warum der Umweg über den Chef? Um uns eins reinzuwürgen? Unsere Unfähigkkeit zu beweisen? Oder was sollte das? Diese Frage haben Markus und ich uns tatsächlich mehrfach gestellt. Ging es Klaus vielleicht ähnlich? Am Ender der Geschichte wird er das selbst auflösen.

Aber der Service war aber nicht so doof wie er wohl angenommen hatte. Außerdem hatten wir zu fast allen Kunden ein beinahe freundschaftliches Verhältnis. Wir riefen also Herrn XY an, und fragten nach seinem Problem. Nach seiner Schilderung schauten wir in die InFusion Dokumentation, und wurden nach kurzer Zeit fündig. Es sah danach aus, als hätte sich eine bestimmte Konfigurationseinstellung für die Monitordarstellung geändert, mit anderen Worten, es mußte nur ein Häkchen oder zwei, anders gesetzt werden. Als wir den Kunden nach ca. 30 Minuten zurück riefen, um mit ihm gemeinsam diese Monitorkonfiguration anzusehen, teilte er uns mit, dass er inzwischen selbst nachgeschaut hatte und das Problem gelöst sei. Zur Sicherheit gingen wir die Konfigurationsmaske noch einmal gemeinsam durch. Alles war OK.

Grundsätzlich könnte man sagen, das kann ja mal so passieren, wenn es auch nicht sehr kollegial war. Dem würde ich sogar bedingt zustimmen, wenn besagter Kollege, nach seiner Rückkehr nicht folgenden Fehler uns gegenüber gemacht hätte. Er teilte uns nämlich, so ganz nebenbei mit, und das ohne mit der Wimper zu zucken, dass wir den Fehler richtig erkannt hatten, er aber nicht erwartet hätte dass wir den Fehler so schnell finden würden. Er hatte wohl nochmal den Kunden angerufen um ihm zu helfen, dann aber erfahren dass das Problem bereits gelöst war. Unsere direkte Frage, ob er die Lösung von Anfang an wußte, hat er zwar nicht beantwortet, aber schweigen ist auch eine. An dieser Stelle kann sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Und nein, wir wurden nie Freunde, aber ich habe mein bestes gegeben, dass unsere Zusammenarbeit nie wirklich darunter gelitten hat. Aber den einen oder anderen Seitenhieb, der in ironischen oder sarkastischern zum Ausdruck brachte was ich von ihm halte, ohne es direkt zu sagen, konnte ich mir manchmal doch nicht verkneifen.

Das sah dann einmal so aus, das er im gleichen Hotel übernachtete wie Markus und ich. Wir beide waren, wie immer gut gelaunt, beim Frühstück, sprachen über Gott und die Welt, vielleicht auch über die anstehenden Arbeiten, als er sich zu uns an den Tisch setzte. Es herrschte erstmal Stille, und erst langsam begann sich eine neues Gespräch zu entwickeln. Ich habe keine Erinnerung daran um was es ging, aber zu irgendeinem Thema sagte ich dann aus Spaß: "Das kann ich gar nicht wissen, ich habe nur Volksschulbildung". Seine Reaktion zeigte, das er einfach anders denkt und Ironie nicht verstehen wollte oder konnte. Er begann zu erzählen wie beruflich erfolgreich einer seiner Bekannten sei, der auch nur Volksschulbildung hat, ich solle mir also keine Gedanken machen.

Mir war klar, das er überhaupt nichts verstanden hatte, und mit einem kurzen "Wollte ich das wissen?" war das Gespräch sofort beendet und es herrschte wieder Stille am Frühstückstisch. Aber inzwischen war es sowieso an der Zeit zum Kunden zu fahren um dort die Servicearbeiten abzuschließen. Tja, so war das damals. In den Jahren danach hat er immer wieder, sein in gewisser Hinsicht überhebliches Verhalten, auch anderen Kollegen gegenüber, gezeigt. Und dann, kam eines Tages ein junger Mann zu ESR, um seine Diplomarbeit zu machen. Zu ESR kam er übrigens durch Markus, der ihn über den über seinen Sohn kannte. Er war mir schon nach den ersten Unterhaltungen sympatisch, und ich empfand ihn als sehr intelligent, mit schneller Auffassungsgabe. Als er später bei ESR angestellt wurde, war er der einzige, dem gegeüber der Kollege mit der Email, Respekt zeigte, da er wohl gemerkt hatte, der steckt ihn mit Leichtigkeit in die Tasche. Zumindest hat es Markus mir so berichtet.

Soweit ich weiß, sind beide immer noch in der Nachfolge Firma beschäftigt. Vom neuen Kollegen, der im gleichen Ort wohnt wie ich, habe ich gehört das es ihm beruflich gut geht, und er in der neuen Firma, neue Chancen für sich sieht. Aber er ist auch in Sachen PLS80E Service unterwegs, wenn nicht er, wer dann? Und nach dem was er so erzählt, habe ich das Gefühl, daes er theoretisch inzwischen genausoviel über PLS80E weiß wie ich. Das die Praxisefahrung fehlt liegt in der Natur der Sache.