Ein Gespräch unter acht Augen
Nachdem den Mitarbeitern der Foxboro-Eckard in Stuttgart, Ende 2008 mitgeteilt wurde, dass der Standort Stuttgart im Jahr 2009 geschlossen wird, mehrten sich gleich zu Beginn des Jahres die Gerüchte, dass eine neue Firma gegründet werden soll, die im Auftrag von Foxboro-Eckardt die Betreuung der PLS80E Systeme übernimmt. Markus und ich bekamen einen kurzen Besuch von Herrn Schneller, dem möglichen neuen Gründer, der uns die Frage stellte, ob wir und grundsätzlich vorstellen könnten, den Service in dieser noch zu gründenden Firma zu übernehmen. Was wir ersteinmal bejahten. Ich hatte aber zu diesem Zeitpunkt noch die Idee, mich evtl. selbstständig zu machen. Später bekamen wir dann eine Einladung zu einem acht Augen Gespräch. Teilnehmer waren der damalige Foxboro-Eckard Deutschland Chef, Herr Konermann, und Herr Schneller. Das Gespräch fand an einem eher ungewöhnlichen Ort, einer versteckten Ecke im Erdgeschss des gelben Bau, statt. Bei diesem Gespräch wurden wir gefragt, ob wir bereit sind den PLS80E Service zu übernehmen. Ob die Aussage "Ohne eure Zusage wird es diese neue Firma nicht geben", uns unter Zugzwang setzen, oder an unsere Eitelkeit appelieren sollte - wer weiß das schon. Es wurde auch die Frage über die grundsätzliche zusammensetzung der Firma diskutiert. Wir wurden nach konkreten Namen gefragt, wen wir uns da vorstellen könnten. Es sind verschiedene Namen aus den Bereichen Engineering und Reparatur gefallen. Ob auch PLS80E Entwickler dabei sein sollten, war ein Thema das heftig diskutiert wurde. Nach Ende dieses längeren Gespräches, das weit über eine Stunde, sagten wir zu. Was wir vergaßen war, konkret über unser Gehalt und die Bereitschaftsvergütung zu sprechen. Genau dass aber, stellte sich später als großer Fehler heraus.
Die Gehaltsverhandlungen fanden mit Herrn Schneller statt, bei dem wir, im Nachhinein, zuviel Verständnis für die Situation der neuen Firma zeigten. Das wir uns auf ein Gehalt eingelassen haben, dass bei 80% des letzten Foxboro-Eckardt Gehaltes lag, war dabei noch zu verschmerzen. Beim Thema Bereitschaftsvergütung ließen wir uns auf "Laßt uns doch ersteinaml sehen wie die Kunden uns als Firma annehmen.". Ein durchaus verständliches Argument, aber wir haben den entscheidenden Fehler gemacht, keine zeitliche Befristung für Bereitschaft ohne Vergütung festzulegen! Den Tag an dem wir das nachgeholt haben, werde ich nie vergessen. Er hätte beinahe dazu geführt, dass ich bei ESR-Systemtechnik gekündigt hätte.
Damit jeder versteht um was es bei der PLS80E Bereitschaft ging, ein kurzer Rückblick auf diese Zeit. Die Bereitschaft galt damals, im Jahr 2009, deutschlandweit für etwa zehn Kunden, mit insgesamt ca. 15 PLS80E Systemen und musste von nur zwei Personen, Markus und mir, gewährleistet werden. Dafür gab es in den ersten Jahren nach 2009, keine zusätzliche Vergütung! Eine 24/7 Bereitschaft bedeutete, das einer von uns immer erreichbar sein musste. Wir stellten deshalb einen Bereitschaftsplan auf, der einen vierzehntägigen Rythmus hatte. Das bedeutete, das die Bereitschaft vierzehntägig wechselte. Aber sofern nicht im Auslandsurlaub, war jeder, jederzeit für den anderen erreichbar. Allerdings galt das nur für Notfälle, worüber der jeweilige Bereitschaftshabende selbst entschied. Keiner von uns hat das jemals böswillig ausgenutzt. Dass das über 10 Jahre relativ problemlos funktioniert hat, lag hauptsächlich an der Stabilität von PLS80E, und der im Großen und Ganzen vom System unterstützten Fehlerausgabe, die im Vergleich zu anderen Systemen, sehr detailliert ist! Aber auch der gute Ruf vom PLS80E Service, in Kombination zu dem guten Kontakt den wir zu unseren Kunden hatte, tat sein Übriges.
An dieser Stelle ein Nachtrag (Februar 2026). Bei einem unserem letzten persönlichen Treffen Ende März 2024, hat mir Markus erzählt, dass er seitens des neuesn Arbeitgebers, darüber informiert wurde, dass dieser bisherige Rhythmus unzulässig ist und gegen bestehende Arbeitsschutzregeln verstößt! Es hat nach seiner Aussage ca. 3 Monate gedauert, bis eine Lösung gefunden wurde, die auch die Bereitschaftskunden zufriedenstellt. Was aber letztendlich nichts anderes bedeutet hat, als dass alles beim Alten geblieben ist, allerdings bei deutlich höherer Grundvergütung für die Bereitschaft. Diese lag sehr deutlich über dem, was wir bis zur Übernahme bekommen haben. Das ich davon nicht mehr profitieren kann, steht auf einem anderen Blatt.
An dieser Stelle eine Ergänzung, die mir persönlich sehr wichtig ist. Ohne das Vertrauen der PLS80E Kunden, hätte die ESR-Systemtechnik niemals so lange überlebt.

