Zurück zur inneren Ruhe

Dieser Vorfall ereignete sich in den Anfängen von PLS80E bei einem Kunden in der Schweiz. Markus kannte ich wahrscheinlich nur flüchtig, aber auf Grund der Wichtigkeit dieses speziellen Einsatzes, war ich mit meinem damaligen Chef Franz B. unterwegs. Bei diesem Einsatz, sollte endlich die lange versprochene PLS80E Softwareversion mit „automatische Redundanzübernahme“ in Betrieb genommen werden. Das Franz mit zum Kunden geschickt wurde, lag an der Wichtigkeit dieser Funktion, sie sollte PLS80E, so gut wie Ausfallsicher machen. Zusätzlich zum Kunden, trafen wir auch noch einen Mitarbeiter vom Büro Zürich. Für die neue Softwareversion war ein Update der PLS80E Software auf der damaligen Bedienstation LS130, und der EPROM Tausch auf den auf den PLS80E Computermodulen notwendig und die sog. Redundanzeinheit musste mit entsprechenden Redundanzmodulen bestückt werden. Die Anlage selbst, hatte zumindest einen Teilstillstand. Softwareupdate, der Tausch der EPROMs und das Bestücken der Redundanzeinheit war problemlos.
Auch die ersten Tests der Redundanzübernahme haben gut funktioniert, aber dann bahnte sich eine Katastrophe an. Der Kunde testete die Redundanzübernahme bei laufender Rezeptur. Das ging voll in die Hose. Wenn ich micht richtig erinnere, wurde die Rezeptur unbedienbar. Inzwischen war es etwa 1:00 Uhr nachts, und der Verantwortliche aus der Prozesstechnik verlor für ein paar Minuten die Selbstkontrolle. Er wurde sehr laut, verlangte sofortige Hilfe aus Stuttgart, wo zur telefonischen Hilfe Herr Dieter W., Chef der Software Entwicklung Bereitschaft hatte, aber auch keine Ad hoc Lösung anbieten konnte. Es gab lautstarke Diskussionen, und plötzlich war der verantwortliche Kundenmitarbeiter verschwunden.

Etwa 15 - 20 Minuten später tauchte er weider auf und war nicht wiederzuerkennen. Er war ganz ruhig und stelle sachlich die Frage: "Was können wir tun?". Die Entscheidung war eigentlich ganz simpel. Seit der Inbetriebnahme lief PLS80E ohne Redundanz. Also wurde entschieden, bis zu einer Lösung, das System ohne Redundanz weiter zu betreiben. Dazu musste einfach nur die Redundanz aus der Konfiguration ausgetragen werden, und die Funktionseinheiten neu geladen werden. Ich glaube, zur Sicherheit tauschten wir die neuen EPROMS wieder gegen die alten aus.

Inzwischen war es irgendwas zwischen 2:00 und 3:00 Uhr nachts, und endlich konnten wir ins Hotel fahren. Auf der Fahrt zum Hotel stelle ich franz die hypothetische Frage wo der Mitarbeiter in den 20 Minuten gewesen seein könnte, und gab gleich meine Antwort dazu: Der war bestimmt Holz hacken und das hat ihn auf andere Gedanken gebracht und ihn beruhigt, anders kann ich mir das nach seinem Ausraster kaum vorstellen" Seine Anwort war nur ein kommentarloses Lächeln.

Später stellten sich tatsächlich die EPROM als Fehlerursache heraus. Ich glaube sogar mich erinnern zu können, das diese bereits am nächsten Nachmittag per Kurier beim Kunden eintrafen und wir damit die Redundanzübernahme final in Betrieb nehmen konnten - ganz sicher bin ich mir aber nicht. Die automatische Redundanzübernahme, war und ist, einer der herausragenden Funktionen von PLS80E, deren genauere Erklärung aber hier nicht hingehört.