Pförtner gegen Fotos
Manchmal scheint eine Uniform, selbst wenn es nur die eines Pförtners ist, dem der Sie trägt, ein Gefühl von Macht zu geben. Aber ich habe diese Macht nur dann respektiert, wenn sie mich auch respektiert hat. Vielleicht hatte ich deshalb immer wieder mal so meine Differenzen mit einzelnen Pförtnern, so auch hier. Trotzdem gelang es mir letztendlich, Fotos der Villen zu machen, in denen einmal die hohen Herren von Krupp gewohnt haben.
Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass die kruppsche Villensiedlung [Wikipedia Artikel], abgerissen werden soll. Damals wie heute von der Fotografie begeistert, entschloss mich dazu, die Villen in diesem Vierte, fotografisch festzuhalten. Das Villenviertel war öffentlicher Verkehrsraum, denn es gab weder Schilder mit einem Betretungs- noch mit einem Fotografierverbot. Deshalb habe ich die folgenden Ereignisse nicht kommen sehen.
Ich wohnte in der Nähe, etwa einen Kilometer entfernt, ein Fußweg von etwa 15 Minuten. An einem sonnigen Tag packte ich meine Fotoausrüstung zusammen, dabei war meine erste, noch analoge Spiegelreflexkamera von Canon, und machte mich auf den Weg. Aber ich hatte die Rechnung ohne die Pförtner gemacht, die in einem Pförtnerhäuschen, praktisch genau gegenüber dieser Villensiedlung, saßen und mich misstrauisch beäugten. Was immer sie gedacht haben, als sie mich mit meiner großen Fototasche gesehen habe, sie sind sofort mit den Worten "Hier ist fotografieren verboten", auf mich losgestürmt. Pförtner 1, der ältere von beiden, tat sich dabei mit lauter, unfreundlicher Stimme, besonders hervor, und hatte sich kaum unter Kontrolle. Ich sage nur, der Ton macht die Musik. Der zweite war besonnener. Als die heftige Diskussion mit Pförtner 1 eskalierte, ich mußte ihn sogar darauf hinweisen das Anfassen gar nicht geht, schlug Pförtner 2 vor, den Werkschutz zu informieren um zu klären ob Fotografieren im Villenviertel erlaubt oder verboten ist.
Nach kurzer Zeit kamen zwei Werkschutzmitarbeiter, auch hier einer sehr forsch, der andere besonnen. Ich wurde freundlich gefragt, ob ich bereit wäre mit Ihrem Chef zu sprechen, was ich bejahte, denn ich fühlte mich im Recht. Ich wurde sehr neugierig darauf, wie das Ganze wohl ausgehen wird. Der Chef vom Werkschutz war freundlich und ich habe ihm mein Vorhaben, die Villen zu fotografieren solange es sie noch gibt, erläutert. Das Gespräch dauerte sicher eine knappe halbe Stunde und er mußte zugeben, das es keinen Grund gab, und schon gar kein Verbot, die Villen zu fotografieren. Unser Gespräch endete damit, dass er mir sagte, ich solle die Pförtne darüber informieren das ich die Erlaubnis zum Fotografieren habe und es kein Fotografierverbot gibt. Aber wer den typischen Deutschen kennt, der eine Uniform an hat, ahnt vielleicht was dann passierte.
Ich betrat also das Pförtnerhäuschen, sagte mein Sprüchlein auf, und wollte gehen, um mit dem Fotografieren zu beginnen. Aber da hatte ich die Rechnung ohne Pförtner 1 gemacht. Er hielt mich am Arm fest, und mit derben Worten bezichtige er mich indirekt der Lüge "das kann ja jeder beahaupten!". Seinem jüngeren Kollegen, dem das sichtlich peinlich war, trug er auf, beim Werkschutz nachzufragen. Das Telefonat bestätigte natürlich meine Worte und plötzlich war er ganz klein mit Hut und versuchte sich mit den Worten "Ich tue ja nur meine Pflicht", zu entschuldigen. Ich schaute ihn mit einem Lächeln an, und die Entschuldigung mit ruhiger Stimme, und den Worten "Das hätten sie aber auch freundlicher tun können" nicht angenommen.
Daraufhin ist er fast ausgerastet, wollte sich über mich beschweren und hat mir wer weiß was hinterher gerufen denn ich habe ihne einfach stehen lassen! Ohne meine freundliche Hartnäckigkeit würde es die Fotos, ein Stück Zeitgeschichte, garnicht geben.



