Kompetenz und Akzeptanz

Noch bevor ich meine Stelle in Stuttgart bzw. Fellbach angetreten hatte, wurde mir von vielen Seiten mit auf den Weg gegeben, dass die Schwaben so ihre Eigenheiten haben. Das merkte ich bereits an meinem ersten Arbeitstag. Er begann mit ähnlichen Problemen, wie wie sie schon von Krupp kannte, nämlich Stress mit einem Pförtner.

Es war am 1. August 1988, gegen 7:30 morgens, als ich meinen alten, roten Kadett B, der wie ich zugeben muss, ziemlich dreckig war, auf dem Firmenparkplatz direkt vor dem Hauptgebäude abstellte. Dass das scheinbar nicht gern gesehen war, zumindest nicht vom aktuell diensthabenden Pförtner. konnte ich ja nicht wissen. Es war mein erster Arbeitstag, und ich war entsprechend nervös, aber gut gelaunt. Freundlich fragte ich den Pförtner nach Herrn Buschkühl, meinem neuen Chef. Aber der begrüßte hatte nichts besseres zu tun als mich zu belehren "Da können Sie aber nicht stehen bleiben". Ich fragte zwar nach dem warum, wollte mich aber auf keine Diskussion einlassen. Zum einen war ich ja der Neue, zum anderen hatte ich sowieso ein gespaltenes Verhältnis zu Pförtnern. Also sagte ich ihm freundlich, dass ich ein neuer Mitarbeiter vom Service bin, und pünktlich zu meinem Termin erscheinen möchte. Daraufhin rief er Herrn Buschkühl an und kündigte mich bei ihm an, wobei er natürlich auch meinen Namen erfuhr. In den ersten Wochen und Monaten geriet ich immer mal wieder, wegen irgendwelcher Lapalien, mit ihm aneinander, meist im Zusammenhang damit, wo und wie ich parkte, selbst wenn ich mit einem Poolfahrzeug von einer Reise zurück kam, Parkplätze vor dem Haus waren knapp. Einmal rief er mich an meinem Arbeitplatz an, weil das Heck meine alten Opel, 10 oder 20cm zu weiter nach hinten ragte, als bei allen anderen Autos. Es war ihm wohl sehr wichtig, dass der Parkplatz direkt vor dem Hauptgebäude, einen guten Eindruck machte. Dazu gehörten auch seine regelmäßigen Bemerkungen, das ich mein Auto mal wieder waschen sollte.

Irgenwann legte sich das und er begann mich freundlich, mit Namen zu grüßen. Das ging sogar soweit, dass er mir einmal einen nicht offiziellen Parkplatz zuwies, als ich von einer Dienstreise zurück kam. Ich war sehr verwundert und bedankte mich freundlich. Diese Freundlichkeit war nicht nur temporär sondern wurde alltäglich. Irgendwann wollte ich dann aber mehr über seine Sinneswandlung wissen. Dazu nutzte ich einen Nachmittag, an dem ich mal wieder spät Feierabend machte und auch an der Pforte wenig los war. Einen wichtigen Aspekt sollte ich vorher erwähnen, da er auschlaggebend für seinen Sinneswandel war. Zu dieser Zeit liefen alle ankommenden Kundenanrufe über die Zentrale. In Fellbach betreute zu dieser Zeit der Pförtner auch die Zentrale. Ich ging also zu seinem Pförtnerhäuschen und grüßte ihn freudlich und es ergab sich in etwa folgender Dialog: "Hallo Herr R., wir beide wissen das sie mich, als ich hier angefangen habe, nicht gerade freundlich behandelt haben. Aber das hat sich in letzter Zeit stark geändert, und ich bin neugierig was hat Ihre Meinung über mich geändert hat?". Meine direkte Frage, obwohl ich sie freundlich gestellt hatte, war ihm wohl ein bischen peinlich und er begann mit einer Entschuldigung. "Wissen Sie Herr Ruhm, ich kannte Sie ja nicht als Sie hier angefangen haben. Aber seit sie hier arbeiten und ich einen Anruf für den Service entgegen nehme, fragen fast alle Kunden immernach Ihnen.". "Und das bedeutet für Sie was?". Diese Frage beantwortete er dann, wahrscheinlich aus Verlegenheit, ein wenig umständlich. Aber reduziert auf einen Satz könnte man es so ausdrücken: "Wenn Kunden soviel Vertrauen zu Ihnen haben, entspricht das sicher auch Ihrem fachlichen Wissen und meine erste Einschätzung, das sie überheblich sind, war wohl falsch". Danach wurde es gemütlicher Feierabendplausch der mit einer freundlichen Verabschiedung endete. Ich zog aber auch ein persönliches Résumé aus diesem Gespräch: "Peter, da hast du bisher wohl alles richtig gemacht".