Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft
Ein vielleicht seltsames Zitat, wenn es um die berufliche Zusammenarbeit geht, aber doch trifft sie den Kern der Sache. Die Wurzeln zum Serviceteam Markus Müller und Peter Ruhm, gehen zurück auf einen Moment, irgendwann in den 1990er Jahren. Markus kümmerte sich damals in Fellbach um die Installation der ersten LWS, die unter dem Betriebssystem Solaris liefen, mit denen ich noch nicht viele Erfahrungen gemacht hatte, während ich als Servicetechniker für PLS80 und PLS80E in Deutschland unterwegs war.
Als dann, bei einem großen Kunden im Raum Köln, diverse Probleme mit diesen LWS auftraten, war es Franz Buschkühl, der damalige Chef vom Service, der auf die Idee kam, uns beide gemeinsam nach Köln zu schicken. Markus kennt sich mit den LWS gut aus, Peter hat die Erfahrungen im Umgang mit Kunden vor Ort. Die beiden werden das schon machen! Wir kannten uns zwar vom sehen, und außer dem obligatorischen, schwäbischen Grüß Gott, hatten aber bisher wenig miteinander zu tun. Wir packten also alles zusammen was wir für notwendig hielten, und machten uns einen Tag später auf den Weg. Es sind drei bis vier Stunden Fahrtzeit von Stuttgart nach Köln, und von der der gemeinsamen Autofahrt, während der wir uns langsam näher kamen, sind mir zwei Momente, besonders in Erinnerung geblieben. Der erste war, als wir von der Autobahn aus, die ersten großen Industriebauten sahen, und Markus in einer Mischung aus Überraschung und Begeisterung reagierte. Der zweite kam dann auf der Heimreise, als wir die Grenze zu Baden-Wuerttemberg überquert haben. Mit einem ehrlichen "Endlich wieder daheim" zeigte er sich sichtlich erfreut, wieder im Schwabenländle zu sein.
Die Arbeit am ersten Tag beim Kunden war wenig erfolgreich. Anstatt zumindest eine LWS wieder ans Laufen zu bringen, schafften wir es eine weitere außer Betrieb zu setzten. Abends an der Hotelbar, als Markus seine erstes Kölsch aus einem, Zitat: Regenzglas getrunken hatte, kamen wir erstmals länger ins Gespräch. An diesem ersten Abend waren die Themen eher geschäftlich als privat, aber wir teilten die Meinung, dass wir am nächsten Tag erfolgreicher sein werden. Nachdem Markus ein paar Telefonate mit Stuttgart, zur technischen Unterstützung, geführt hatte, und wir gemeinsam das für und wider einzelner Arbeiten besprochen hatten, konnten wir nach und nach alle LWS wieder zum Laufen bringen. Obwohl unser erster gemeinsamer Einsatz eher unspektakulär war, hatten wir wohl trotzdem einen positiven Eindruck hinterlassen.
Es dauerte nicht sehr lange, wir wurden noch einmal auf einen gemeinsamen Einsatz nach Köln geschickt. Das Hotel mit der durchgehend offenen Bar war leider ausgebucht. Das Hotel das wir buchten hatte weder Bar noch Restaurant, und nach einem diesmal erfolgreichem ersten Arbeitstag, machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, was an dem Tag nicht so einfach war. Schließlich fanden wir eine Mischung aus Kneipe und Restaurant und unser gemeinsames Schicksal nahm seinen Lauf. Obwohl wir beide eigentlich (wieder) Nichtraucher waren, fiel nach dem Essen die Bemerkung Jetzt könnte ich eine Zigarette vertragen. Damit begann eine, für unser späteres Zusammenarbeiten, wahrscheinlich entscheidende Diskussion. Dass hier ein waschechter Schwabe und ein Arbeiter aus dem Ruhrpott aufeinander trafen, denen schon von Geburt an, eine unterschiedliche Mentalität mitgegeben wird (so sagt man zumindest), war anfangs kaum zu übersehen. Wahrscheinlich deshalb hat mich seine Argumentation zum Thema Offenheit so überrascht. Denn die Antwort von Markus machte mich sprachlos: "Ich will doch nicht, dass wenn wir zurück sind, jeder weiß dass ich wieder geraucht habe und sich die Leute das Maul zerreißen.". Ich war im ersten Moment tatsächlich sprachlos, was mir nicht wirklich oft passiert. Meine Antwort darauf war sehr ausführlich, und läßt sich in etwa so zusammenfassen: "Wie kommst du auf die Idee, dass ich auf die Idee kommen, irgendjemandem von diesem Abend zu erzählen? Das geht doch keinen etwas an?" Daraufhin schilderte er mir einige, teilweise persönliche Geschichten aus dem Schwabenland und seinen Erlebnissen mit den Mitarbeitern bei Eckardt. Manchmal blieb mir nicht mehr als ein ungläubiges Kopfschütteln. Inzwischen hatten wir uns entschieden Zigaretten zu kaufen und noch das eine oder andere Bier zu bestellen. Schnell löste sich die Stimmung und wir merkten, dass wir über die gleichen Dinge lachen konnten. Am Ende des Abends, so glaube ich noch heute, wußte Markus, dass er mir den Satz "Was am Biertisch erzählt wird, bleibt auch dort", glauben kann. Das ich es an dieser Stelle nun doch erzähle, hat er mir zu seinen Lebzeiten nie übel genommen, und ich gehe davon aus, dass auch wenn er mir gerade von oben über die Schultern schaut, das immer noch so sieht.
Ich bin davon überzeugt, dass dieser Abend am Biertisch die Basis für über 20 Jahre tolle Zusammenarbeit gelegt hat. Wir waren so tief in unser Gespräch vertieft, dazu kam das Nikotin und der Alkohol, das wir garnicht bemerkt hatten, wie spät es bereits geworden war und die Mitarbeiter dabei waren an allen anderen Tischen die Stühle hochzustellen. "Ich glaube die wollen das wir gehen". Mit diesen Worten bezahlten wir unsere Rechnung und machten uns zu Fuß auf den Weg zurück ins Hotel.
Wie gut wir wirklich als Team funktionieren, haben wir aber erst gemerkt, nachdem wir im Jahr 2009 gemeinsam zur Firma ESR-Systemtechnik gewechselt sind. Und auch wenn ich mich wiederhole, dass wir gemeinsam den Service für PLS80E gestemmt haben, haben wir Franz Buschkühl, zu verdanken. Oft haben wir uns gefragt, was ihn dazu gebracht hat, gerade uns beide gemeinsam nach Köln zu schicken?
Die einen nennen es Zufall, andere vielleicht Schicksal...

